Zum Hauptinhalt springen
Fertig aufgebaute Bühne vor dem Event: Traversendach mit Scheinwerfern, Line-Array und Monitoren im Festzelt
Zurück zu Aktuelles
Beitrag

Was braucht ein Open-Air-Festival an Technik?

Beschallung ohne Wände, Wetterschutz, Strom und Zeitplan: Was ein Open-Air-Festival technisch wirklich braucht, erklärt aus der Praxis im Markgräflerland.

Ein Open Air braucht mehr als die Technik aus dem Saal: eine Beschallung, die ohne Wände bis in die letzte Reihe trägt, oft mit Delay-Lines, dazu Licht, das erst nach Sonnenuntergang wirkt, eine statisch nachgewiesene Bühne mit Dach, Wetterschutz für jedes Gerät im Freien, eine eigene Stromversorgung mit getrennten Kreisen und Reserve, sowie einen Auf- und Abbauplan mit Puffer und klaren Eingreifwerten bei Wind.

Was unterscheidet ein Open Air technisch von einer Veranstaltung im Saal?

Im Saal arbeitet die Technik mit dem Raum. Wände und Decke werfen Schall zurück, der Strom liegt in der Wand, und das Licht muss nur gegen etwas Restlicht bestehen. Auf einer Wiese bei Auggen oder einem Festplatz in Müllheim fällt das alles weg: Der Schall läuft ungehindert ins Feld und verliert mit jeder Verdopplung der Entfernung deutlich an Pegel, eine Steckdose gibt es nicht, und Wind, Feuchte und Sonne wirken direkt auf jedes Gerät.

Daraus folgen drei Dinge für die Planung: mehr Lautsprecher an mehr Positionen, deutlich mehr Reserve beim Licht, und ein zweiter Plan für den Fall, dass das Wetter kippt. Wer zum ersten Mal ein Open Air plant, unterschätzt meist nicht die Anlage, sondern die Infrastruktur darum herum. Kabelwege, Untergrund und Zufahrt entscheiden, ob der Aufbau am Morgen läuft. Wie das bei Festen in der Region aussieht, zeigen unsere Referenzen.

Auch die Fläche selbst spielt mit. Eine Bühne zwischen Hauswänden verhält sich akustisch völlig anders als eine Bühne auf freiem Feld, deshalb gehört der Ort schon in die technische Planung und nicht erst in den Aufbauplan. Ein Innenhof im Winzerbetrieb braucht ein anderes Lautsprecherkonzept als ein offener Sportplatz am Ortsrand.

Wie plant man die Beschallung über eine große Freifläche?

Zuerst wird die Fläche vermessen, dann die Anlage gewählt. Entscheidend sind die tiefste Zuhörerposition, die Breite des Publikumsbereichs und die Nachbarschaft. Aus der Tiefe ergibt sich, ob ein Hauptsystem an der Bühne reicht oder ob zusätzliche Positionen im Feld gesetzt werden. Die Faustregel dafür ist unspektakulär: Wenn hinten der Gesang nur noch zu ahnen ist, während vorne der Pegel schon unangenehm wird, fehlt eine zweite Lautsprecherposition.

Diese Zusatzlautsprecher heißen Delay-Lines, weil ihr Signal verzögert wird. Schall legt rund 343 Meter pro Sekunde zurück, ein Meter entspricht also etwa 2,9 Millisekunden. Eine Delay-Position 30 Meter hinter dem Hauptsystem läuft demnach mit knapp 90 Millisekunden Verzögerung, danach wird im Übergangsbereich fein abgestimmt und die Fläche abgegangen. Ziel ist nicht, hinten lauter zu werden, sondern eine gleichmäßige Deckung ohne Hotspots.

Draußen verschiebt sich die Abstimmung im Lauf des Abends. Mit fallender Temperatur sinkt die Schallgeschwindigkeit, und auffrischender Wind trägt den Klang in eine Richtung. Deshalb wird nach Sonnenuntergang nachgehört, statt der Nachmittagseinstellung zu vertrauen. Wie viel Anlage zu welcher Gästezahl passt, steht ausführlich in Welche Tontechnik für wie viele Gäste?.

Die Nachbarschaft plant mit. Für den Schutz des Publikums nennt die DIN 15905-5 einen Mittelungspegel von 99 dB(A) über 30 Minuten am lautesten Publikumsplatz, für die Umgebung gelten die Auflagen der Gemeinde. In Ortslagen wie Schliengen, Müllheim oder Lörrach ist die Ausrichtung der Bühne dabei oft die wirksamste Maßnahme: Wer die Hauptachse von der Wohnbebauung wegdreht, gewinnt mehr als mit jedem Limiter.

Welcher Wetterschutz ist für Bühne und Technik nötig?

Wetterschutz beginnt am Dach und endet am letzten Steckverbinder. Ein Bühnendach im Freien hat eine große Windangriffsfläche und darf weder kippen noch verrutschen noch in sich einstürzen, deshalb gehört zu jeder Open-Air-Bühne ein statischer Nachweis inklusive Windlasten. Dazu kommen Ballast oder Verankerung passend zum Untergrund, gesicherte Planen und eine klare Regel für Banner und Werbeflächen, die bei Wind als Erstes verschwinden.

Für die Technik heißt Wetterschutz: ein Dach über Mischplatz und Lichtstellplatz, Verteiler erhöht statt in der Senke, Kabelübergänge trocken geführt, Elektronik nicht auf blankem Boden. Nieselregen steckt gutes Material weg, Böen sind das eigentliche Thema. Eine LED-Wand ist im Grunde ein Segel und wird genau so behandelt, sie kommt bei Wind ab oder wird abgesetzt.

Der wichtigste Teil ist kein Material, sondern eine Entscheidungskette. Vor dem Aufbau werden Eingreifwerte festgelegt: ab welcher Windgeschwindigkeit Banner abgenommen, Planen geöffnet, LED-Wände abgesetzt, der Betrieb eingestellt und der Bereich geräumt wird. Bei Fliegenden Bauten endet der Betrieb üblicherweise ab Windstärke 8, also rund 20 Meter pro Sekunde. Verbindlich sind die Werte aus Ausführungsgenehmigung und Aufbauhandbuch der jeweiligen Bühne.

Dazu gehört laufendes Wettermonitoring und eine benannte Person, die entscheidet. Im Rheintal frischt es am späten Nachmittag oft auf, und eine Gewitterzelle aus dem Schwarzwald steht schneller über dem Platz, als es der Zeitplan vorsieht. Diese Kette gehört schriftlich ins Sicherheitskonzept und nicht in die mündliche Absprache am Aufbautag.

Woher kommt der Strom, wenn keine Steckdose in der Nähe ist?

Auf der freien Fläche kommt der Strom aus einem Aggregat, einem Baustromverteiler oder dem Anschluss eines Gebäudes in der Nähe. Der erste Schritt ist die Leistungsbilanz, getrennt erfasst nach Ton, Licht, Video, Gastronomie, Sanitärbereich und Nebenverbrauchern. Auf Dorf- und Weinfesten ziehen Kühlung und Fritteusen oft mehr als die komplette Bühnentechnik, und genau daran scheitert die Planung, wenn nur die Anlage gerechnet wurde.

Technik und Küche gehören auf getrennte Kreise. Ein anlaufender Kühlanhänger auf derselben Phase wie die Endstufen ist eine der häufigsten Ursachen für Störgeräusche und für Fehlauslösungen mitten in der Show. Sinnvoll sind außerdem eine Reserve für die sicherheitsrelevante Beleuchtung, saubere Erdung und passende Fehlerstromschutzschalter. Die Details dazu stehen in Verkabelung und Stromversorgung sicher planen.

Kabelwege werden vor dem ersten Meter geplant: überfahrbare Brücken an Fahrwegen, Zugentlastung an Übergängen, Längenreserve für den Fall, dass die Bühne am Ende zwei Meter weiter rechts steht. Auf Wiesen und Kiesplätzen lohnt eine Begehung bei Regen, weil sich dann zeigt, wo das Wasser steht und welche Zufahrt weich wird.

Wie sieht ein realistischer Auf- und Abbauplan aus?

Ein Open Air plant man von hinten. Ausgangspunkt ist der Soundcheck, davor liegen Systemeinmessung, Licht und Video, davor Strom, davor Bühne und Dach, davor Anlieferung und Bodenvorbereitung. Wer diese Kette vorwärts plant, verbraucht genau die Reserve, die am Veranstaltungstag gebraucht wird.

Für ein Fest mit einer Bühne, Beschallung, Licht und kleinem Videoanteil ist ein eigener Aufbautag vor dem Veranstaltungstag der ruhige Weg, bei großen Aufbauten mit Dach, LED-Wand und mehreren Bands werden es zwei. Am Tag selbst braucht es feste Fenster für Anlieferung, Einmessung, Soundcheck und die Umbauten zwischen den Auftritten. Der Abbau beginnt nach dem letzten Gast und dauert im Freien länger als im Saal, weil Ballast, Kabelwege und Bodenschutz ebenfalls wieder verschwinden müssen.

Zwischen den Gewerken gehören Puffer statt Optimismus: Regen verschiebt die Bodenarbeit, ein Lkw passt nicht durch die Zufahrt, eine Abnahme dauert länger als gedacht. Zwei Dinge helfen mehr als jede Tabelle, nämlich eine Person, die die Reihenfolge verantwortet, und ein festes Team, das den Ablauf kennt. Bei uns kommen Lieferung, Aufbau, Show und Abbau aus einer Hand, mehr dazu unter Über uns.

Was gilt bei Bühne und Genehmigung im Freien?

Die Bühne im Freien ist meist ein Fliegender Bau. Bühnen einschließlich Dach und Aufbauten bleiben nach den Landesbauordnungen ohne Ausführungsgenehmigung, solange sie nicht höher als 5 Meter sind, nicht mehr als 100 Quadratmeter Grundfläche haben und die Fußbodenhöhe unter 1,50 Meter bleibt. Darüber braucht die Bühne eine Ausführungsgenehmigung, die Aufstellung wird bei der Gemeinde angezeigt, in der Praxis mindestens eine Woche vor Beginn, und bei technisch schwierigen Aufbauten kommt eine Gebrauchsabnahme dazu.

Welche Größe zum Programm passt, steht in Bühne mieten: welche Größe für welche Veranstaltung. Was auf einer Fläche im Freien zusätzlich gilt, haben wir in Versammlungsstättenverordnung aufgeschrieben, und die Musikrechte klärt die GEMA-Anmeldung. Diese drei Punkte früh zu klären kostet einen Nachmittag und erspart Dir die unangenehmen Überraschungen in der Aufbauwoche.

Wie umfangreich ein Open Air technisch wird, hängt an der Fläche, der Gästezahl, der Bühnengröße, der Zahl der Auftritte und daran, wie weit Strom und Zufahrt entfernt liegen. Schick uns Fläche, Datum und Programm, dann kommt eine Einschätzung zurück statt einer Geräteliste: unverbindlich anfragen.

  • Festivaltechnik
  • Festival Technik
  • Open Air planen
  • Wetterschutz Veranstaltung
  • Beschallung Freifläche
  • Delay-Line
  • Bühne Open Air
  • Stromversorgung Festival
  • Veranstaltungstechnik Markgräflerland

Häufige Fragen

Gut zu wissen.

Was passiert bei Starkregen oder Sturm am Veranstaltungstag?
Vor dem ersten Aufbautag steht ein Wetterkonzept mit festen Eingreifwerten: ab welcher Windgeschwindigkeit Planen und Banner von der Bühne kommen, ab welcher der Bühnenbereich gesperrt und ab welcher das Gelände geräumt wird. Diese Werte stehen in der Aufbau- und Betriebsanleitung der Bühne, sie sind kein Bauchgefühl. Dazu gehört eine benannte Person, die am Tag entscheidet, ein Windmessgerät vor Ort und der Blick auf die Warnlage des Deutschen Wetterdienstes. In der Rheinebene zwischen Müllheim und Lörrach ziehen Sommergewitter oft schnell von Westen heran, deshalb planen wir die Abläufe so, dass Technik und Publikum kurzfristig geschützt sind, ohne die Veranstaltung gleich abzusagen.
Wie lange dauert der Aufbau einer Festivalbühne?
Das hängt an Größe und Dach. Eine überdachte Open-Air-Bühne mit Traversendach, Beschallung, Licht und Video braucht in der Regel einen vollen Aufbautag, bei größeren Anlagen kommt ein Vortag für Anlieferung, Untergrund und Ballastierung dazu. Der Abbau geht schneller, läuft dafür häufig direkt nach der Veranstaltung in der Nacht. Entscheidend ist der Puffer: Soundcheck, Einleuchten und die Abnahme brauchen einen eigenen Block, und wer den Aufbau bis kurz vor Türöffnung streckt, hat bei Regen oder einer verspäteten Anlieferung kein Netz mehr.
Braucht ein Open Air eine eigene Stromversorgung?
Meistens ja. Eine Wiese in Auggen oder ein Hof am Ortsrand hat selten mehr als eine Haushaltsabsicherung, und die trägt weder eine Beschallung für mehrere hundert Gäste noch Licht, Video und Catering gleichzeitig. Üblich ist ein Stromerzeuger mit Leistungsreserve, dazu getrennte Kreise für Ton und Licht, damit Dimmer und Bewegtlicht keine Störgeräusche in die PA bringen. Kabelwege werden überfahrbar abgedeckt, Verteiler stehen wettergeschützt und mit Fehlerstromschutz. Wo ein fester Anschluss vorhanden ist, prüfen wir vorab Absicherung und Zustand, statt am Veranstaltungstag zu raten.
Wie laut darf ein Open Air abends noch sein?
Maßgeblich ist die Freizeitlärm-Richtlinie in der Auslegung der Gemeinde, praktisch also die Auflage in Deiner Genehmigung. Die Nachtruhe beginnt um 22 Uhr, Ausnahmen für seltene Veranstaltungen erteilt das Ordnungsamt vor Ort, in Schliengen, Müllheim oder Lörrach jeweils mit eigenen Vorgaben zu Ende, Pegel und Messpunkt. Technisch lässt sich viel über die Ausrichtung lösen: Eine eingemessene Anlage mit Delay-Lines braucht vorne weniger Druck, trägt trotzdem bis hinten und strahlt weniger in die Nachbarschaft ab. Den Pegel an der nächsten Wohnbebauung misst man besser vorher, als ihn hinterher zu diskutieren.

Ihr Event als nächste Geschichte?

Festivaltechnik: Was ein Open Air braucht | KW.Eventtechnik